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Merseburg 11.06.2016

Ostdeutsche Meisterschaft im Kunst- und Einradsport

Die kleinen Plüschfiguren, von denen Selina Harnisch und Hannah Berger jeweils eine in den Händen hielten, gerieten mächtig unter Druck. Denn von den beiden Sportlerinnen des Vereins für Hallenradsport aus Mücheln wurden sie ganz nebenbei ziemlich energisch durchgeknetet - vor Nervosität. Der Grund: Kurz vor ihrem gemeinsamen Auftritt als Duo bei den Ostdeutschen Meisterschaften im Kunstradfahren sahen sich die beiden Müchelnerinnen mit einem Problem konfrontiert. Angst vor der sogenannten Mühle - einer koordinativ anspruchsvollen Übung, bei der sich die Fahrer gemeinsam im Kreis bewegen und schnell die Richtung wechseln müssen - kam auf. Was im Training gefühlt schon tausendfach funktioniert hatte, bereitete vor großem Publikum in der Merseburger Rischmühlenhalle plötzlich Sorgen. "Vielleicht auch ein bisschen der Vorführeffekt", vermutete Trainerin Angela Heimbach mit Blick auf die angespannten Mienen ihrer beiden Schützlinge. Die Generalprobe verlief offenbar alles andere als vielversprechend. Und dabei galten sie  bei der vom VfH Mücheln ausgerichteten Ostdeutschen Meisterschaft in der Altersklasse der unter 15-Jährigen als Mitfavoritinnen im Zweier-Kunstradfahren. Bei den Titelkämpfen, die Besten aus den neuen Ländern durften sich am Wochenende dabei messen, kam die größte Konkurrenz aus Sachsen. Lena Schnabel und Jasmin Steinert vom RV Oberschindmaas hatten sogar mit einem höheren Schwierigkeitsgrad gemeldet als das Duo aus dem Geiseltal. Einen Patzer durften sich die Müchelnerinnen also nicht erlauben, wenn sie dennoch auf das oberste Podest bei der Siegerehrung steigen wollten. Dass das fast schon überdimensionale Siegertreppchen vielleicht sogar olympiareif sein könnte, bejahte Heimbach, die auch Präsidentin des Kreissportbunds ist. Lachend und mit einem Augenzwinkern tat sie das. Dabei ist das Thema Olympische Spiele für die internationale Kunstradfahrerfamilie ernster. Es gebe durchaus Bestrebungen, die bislang nicht im Olympischen Programm berücksichtigte Sportart auch im Zeichen der fünf Ringe zu präsentieren. Doch die Aussichten, irgendwann dabei sein zu dürfen, seien verschwindend gering, meint Heimbach, die als Wertungsrichterin auch schon bei Weltmeisterschaften aktiv war. "Im Internet werden seit einiger Zeit auch schon Stimmen gesammelt", sagte Heimbach. Jedoch sei das nichts weiter als eine Willensbekundung. Egal wie viele Klicks auch zusammenkommen, einen echten Effekt könne man sich davon nicht versprechen. Kunstradfahren biete eben einfach nicht das Spektakel wie etwa BMX-Rennen, die es seit Peking 2008 regelmäßig bei den Spielen gibt. Deutschland zählt beim Kunstradfahren zu den erfolgreichsten Nationen. Bei Weltmeisterschaften werde zumeist die deutsche Hymne gespielt. Hochburgen gibt es vor allem im südlichen Raum.

"Immer wieder werden dort Talente entdeckt". In Sachsen-Anhalt gehört vor allem der VfH Mücheln zu den ersten Adressen in Sachen Hallenradsport, was auch der Präsident von Sachsen-Anhalts Landesverband, Günter Grau, im Rahmen der Meisterschaft bekräftigte. Das sportliche Niveau sowie auch die Organisation lobte er. Medaillen auf Landes- und auch Bundesebene sind für die Müchelner keine Seltenheit. Weit mehr als ein Jahrhundert gibt es den gleichermaßen schwierigen wie schönen Sport im Geiseltal schon. Heutzutage wird in mehreren Altersklassen beinahe täglich trainiert und dann zumeist zwei bis drei Stunden. Wer Übungen wie etwa den Lenkerstand irgendwann einmal drauf haben will, muss aber möglichst frühzeitig damit anfangen. "Wer da erst mit zehn Jahren kommt, hat es schwer". In Mücheln sind die Jüngsten um die fünf Jahre alt, wenn sie sich mit den speziellen Rädern, die eine kleine Übersetzung und einen starren Gang aufweisen, quasi anfreunden.

Einer der Jüngsten, der erst sieben Jahre alte Paul Harnisch, war auch bei der Meisterschaft in Merseburg mit dabei. Er belegte in seiner Altersklasse einen guten fünften Rang. Nach seiner Übung bekam er Trost von älteren Vereinsmitgliedern, weil beim bislang größten Wettkampf nicht alles auf Anhieb gelingen wollte. Etwas Trost brauchten Selina Harnisch und Hannah Berger aufgrund ihres Problems schon unmittelbar vor dem Start. Angela Heimbach leistete in dem Moment mentale Aufbauarbeit, was offenbar ganz gut funktionierte. Die Müchlnerinnen kamen in der gut besuchten Rischmühlenhalle dann tatsächlich bestens zurecht, harmonierten prächtig - auch bei der gefürchteten Mühle - und holten schließlich Gold für die Gastgeber. Der hohe Trainingsaufwand hatte sich gelohnt. Und auch das energische Drücken der kleinen Glücksbringer hatte vielleicht ein wenig geholfen.


Nico Grünke (Mitteldeutsche Zeitung)

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Foto: Julia Bachmann (www.malen-mit-zeit.de)